Selbstverwaltung in den medizinischen Berufen ist etwas sehr demokratisches und muss erhalten werden. Aber wie der Mensch so ist, versucht er immer wieder Dinge zu seinem Vorteil zu gestalten. Das findet eben auch bei den medizinischen Verbänden statt.

  1. In den Pflegeberufen haben wir auf Grund der Bezahlung und anderer negativer Faktoren keine Wertschätzung für die Mitarbeiter. Interessierte und einflußreiche  Kreise wollen das so.                        Alles natürlich im Sinne für unsere Patienten!
  2.  So wird auch in der Zahnmedizin die systematische (also die gesamte Bevölkerung einbeziehende) Behandlung der Parodontitis von der Selbstverwaltung weitgehend blockiert. Und das seit Jahrzehnten.
  3. Die unbehandelte Parodontitis sorgt für umfangreiche Zahnverluste bei sehr vielen Patienten. Diese werden heutzutage durch viele, teure Implantate ersetzt.
  4. Nur ein grundsätzliches Umdenken kann da eine grosse Kostenersparnis für die Krankenkassen und auch die Patienten (Implantate sind meist privat zu bezahlen) erbringen. Jeder Patient sollte die Möglichkeit haben, seine frühe  Parodontitis (auch als Jugendlicher ist eine Erkrankung möglich) oder auch als erwachsener Mensch (bis hoch zum Senior) diagnostizieren und dann lebenslang therapieren zu lassen. Ein Patient mit (mittlerer oder schwerer) Parodontitis braucht nicht nur eine Einmalbehandlung, sondern er muß sich ein- bis zweimal im Jahr zu einer einstündigen Nachsorge (Recall oder UPT (unterstützende Parodontitis Therapie)) bei einer Dentalhygienikerin oder in Ausnahmefällen auch bei einem Zahnarzt einfinden.                                                                                                            Ohne Nachsorge (Recall oder UPT) ist die Ersttherapie nahezu sinnlos.
  5.  Die Dentalhygienikerin ist als Beruf eine Entwicklung von Zahnärzten. Diese Ausbildung nur zur allumfassenden Bekämpfung der Parodontitis wird in vielen Ländern staatlich anerkannt. Die Anzahl der Dentalhygienikerinnen wird dem freien Markt überlassen.
  6. In Deutschland wird die Ausbildung nur als Fortbildung einer zahnmedizinischen Fach-Angestellten (ZFA) zur Dentalhygienikerin angeboten. Auf Grund der von der Bundeszahnärztekammer festgelegten Regularien kann das viele Jahre dauern. Auch auf Grund der schulischen Vorbildung unterwerfen sich nur wenige Frauen dieser teuren und langen Ausbildung. Daher fehlt es auch an der Wertschätzung dieses Berufes: niedrige Gehälter und wenig Anerkennung für Ihr zusätzliches Können.  Länder mit ausreichender Anzahl von Dentalhygienikerinnen (Schweiz oder die nordischen Länder) haben viele Patienten, die deutlich weniger Implantate benötigen.
  7. Hinzu kommt: “Kein Schwein” interessiert sich für die immer mehr werdenden chronischen Erkrankungen (mind. 14), wie z.B. Rheuma, Herz-Kreislauf- oder Schlaganfallerkrankungen die neben gigantischen Kosten auch unglaubliche Schmerzen und Leiden erzeugen. Die Infektionsquelle “Zahnfleischtaschen” überschwemmt den menschlichen Körper jahre-oder jahrzehntelang mit unglaublichen Mengen von Bakterien und Viren (über 700 Bakterienarten mit einer 20 minütigen Verdoppelungsfrequenz).
  8. Im Rahmen der gerade ablaufenden Corona-Pandemie kann ich das Wort von der “besten Medizin” der Welt in Deutschland nicht mehr hören.
  9. Klar ist auch, dass nur eine begrenzte Anzahl der deutschen Bevölkerung ein flächendeckendes Angebot an systematischer Parodontitis-Therapie annehmen würde. Sagen wir ca. 50 Prozent. Das wären etwa 40 Millionen Patienten. Die laut der kassenzahnärztlichen Bundes Vereinigung (KZBV) seit Jahren etwa konstant gebliebene Anzahl an Therapien ist eine Million Erstbehandlungen.

  10. Laut Bundesstatistik gibt es in 2016 etwa 9.863 000 Menschen im Altersbereich 35-44 Jahre.

    Davon haben nach der DMS V bereits 51,6 Prozent mittlere und schwere Parodontitis: Das sind sage und schreibe 5. 089.308 deutsche Bürger im besten Alter.

    Bei den 65-74 Jährigen leben 2016 nach der Bundesstatistik 8. 236.000 Senioren. Die Quote der Erkrankung an mittlerer und schwerer Parodontitis beträgt 64,6 Prozent: Das sind 5.320.456 Ältere.

    Frage: Was kann da eine Million Erstbehandlungen (KZBV) bewirken?

    Für die Behandlung einer solch großen Zahl von Patienten fehlen ca. 6939 Dentalhygienikerinnen.

     

    Ein Fazit:

     

    Die deutsche Zahnmedizin vertreten durch BZAEK und KZBV gibt vor, mit den vorhandenen Hilfskräften von ZFA (!), ZMF und ZMP und etwa 500 über eine Fortbildung vorhandenen Dentalhygienikerinnen den 83 Millionen Deutschen genügend Vorbeugung und Behandlung gegen Karies und Parodontitis bieten zu können. Aber gerade auch die obengenannten letzten Zahlen zeigen doch auf, dass es in der „systematischen Behandlung der Parodontitis“ an vielem fehlt.

    So bleibt aber Deutschland weiter ein Land der Reparaturzahnmedizin: Brücken Prothesen, aber vor allem Implantate werden notwendig.

  11. Patienten leiden Jahrzehnte unter erheblichen Schmerzen und Einschränkungen durch die chronischen Krankheiten.

    Eine präventiv vorausschauende Zahnmedizin wie z.B. in der Schweiz sieht anders aus.

Zurück zur Parodontitis. Ein paar Beispiel aus der zahnärztlichen Praxis:

Eine Patientin:”Ich bin sehr unglücklich, weil mein Super-Facharzt Rheuma also Rheumatische Arthritis bei mir festgestellt hat!

Aber mein Zahnarzt sagt seit vielen Jahren, wenn ich bei ihm bin:“ Alles in Ordnung, Frau Meier! Jetzt gehen sie nur noch zur “professionellen Zahnreinigung” bei meiner Dame für die Prophylaxe. Dann hört das Bluten des Zahnfleisches wieder auf. Dann sind sie wieder fit für die Zukunft!“

Ein älterer Patient: “Ich bin unglücklich, weil meine Super-Facharzt von Durchblutungsstörungen in meinem Herzen spricht.

Aber mein Zahnarzt sagt, wenn ich bei ihm bin:“ Alles in Ordnung, Herr Meier! Jetzt gehen sie noch zur “professionellen Zahnreinigung” zu Frau Anneliese. Dann sind sie wieder fit für die Zukunft!“

Die Ehefrau eines Patienten: “Mein Mann hat letzte Woche einen Schlaganfall (a Schlagerl!) gehabt. Es geht ihm schon ein wenig besser. Aber das wird wohl noch lange dauern, habe ich das Gefühl.

Unser Zahnarzt sagt , wenn wir bei ihm sind:“ Alles in Ordnung, Herr Meier! Jetzt gehen sie noch zur “professionellen Zahnreinigung” bei meiner Prophylaxeassistentin. Dann sind sie wieder fit für die Zukunft!“

Mein Super- Diabetologe kann sich nicht erklären, warum mein Diabetes so schlecht einstellbar ist.

Mein Zahnarzt sagt :“ Ihre Zähne sind in Ordnung, Herr Meier! Jetzt gehen sie noch zur “professionellen Zahnreinigung”.

Aber deutschen Zahnärzte sagen viel zu oft, wenn man wegen blutendem Zahnfleisch oder locker werdenden Zähnen zu ihnen kommt:“ Alles in Ordnung! Jetzt machen wir noch die “professionelle Zahnreinigung”. 

Dabei weiß jeder, vom Wissenschaftler bis zum Zahnarzt, dass die professionelle Zahn-Reinigung (PZR), als Nachsorge (Recall oder UPT) durchgeführt durch fortgebildete Zahnarzthelferinnen (ZFA,ZMP oder ZMF) keine notwendige subgingivale Reinigung der noch vorhandenen Taschen beinhaltet. Also herausgeworfenes Geld ist. 

In dem Superland Deutschland ist die Zusammenarbeit von Ärzten, Spezialisten, Fachärzten mit den Zahnärzten nahezu Null im Bereich der Parodontitis. Dabei sind die oben beschriebenen Krankheiten alle sehr eng mit ihr verbunden (wissenschaftliche Nachweise in dieser Website!).

Zitat: “Ach ja, gestern war ich bei meinem Zahnarzt. Ich hatte Beschwerden links oben. Da hat er mir doch glatt einen Zahn gerissen! Das Einzige was ich behalten habe, war das Wort „parodontaler Abszeß“. Und ich beiße noch auf einen Tupfer, da erzählt er mir schon, dass man diese Lücke gut mit einem Implantat schließen kann! Nach den Kosten habe ich erst einmal nicht gefragt.”

Es kann doch nicht sein, dass mehr Gewicht auf die Schließung von Lücken durch Implantate als auf die Verhinderung von Lücken gelegt wird. Oder?

Hier ein Zitat aus einem Interview:

Prof. Dr. Jan Lindhe ist ein weltweit anerkannter Parodontologe aus Schweden. Zusammen mit Prof. Axelsson und anderen hat er die intensive Zusammenarbeit (Team) von Zahnarzt und Dentalhygienikerin in Schweden vorangebracht. Er beklagt in einem Artikel, dass heutzutage die Zahnärzte sich schon mehr dem Ersatz der noch vorhandenen Zähne widmen als dem Erhalt derselben:

“There is an overuse of implants in the world and an underuse of teeth as “targets for treatment” 1

Die „Professionelle Zahnreinigung (PZR)“ kann mit ihrer Konzentration auf die supragingivale (also oberflächliche2) Reinigung der Zähne eine (noch) vorhandene Parodontitis nun so gar nicht in Schach halten oder therapieren.

Das gesteht sogar die KZBV 3 in dem Artikel „stille Volkskrankheit Parodontitis“ in dem „Mitteilungsblatt Berliner Zahnärzte (MBZ)“, Heft 06/2017, Seite 10-13, ein. Dort wird ausgesagt, dass die PZR sich als Primärpräventive Maßnahme in der zeitlichen Verlängerung der Individualprophylaxe für Kinder und Jugendliche bewährt hat.

Also für parodontal Gesunde!

 

Und was macht der Patient mit Parodontitis?

 Deutsche Zahnärzte träumen jedenfalls nicht von der Behandlung einer Parodontitis! Schon 2014 erscheint im “DENTALmagazin” ein Artikel “Parodontologie hat keine Lobby”. Dem ist 5 Jahre später nichts hinzuzufügen.

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1 Jan Lindhe; ein Interview; BDJ volume 217, pages 396–397 (24 October 2014)

2 also den Teil der Zähne, den sie in einem Spiegel sehen können.

3 Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung wie z. B. “Dentalhygieniker” (bis jetzt meist in den USA) und “Dentalhygienikerin” verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.

Die Fische in den Ozeanen haben Putzerstationen. Hier werden die Fische von professionellen Putzergarnelen (Dentalhygienikerinnen) gereinigt.