To whom it may concern:

Im Blindflug durch die Taschen einer Parodontitis!

Seit Wochen sind zahnärztlichen Medien[1] voll des Lobes über den Vorsitzenden des Vorstandes der kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Herrn Dr. Wolfgang Eßer.

Von 2013 an wird im G-BA (gemeinsamer Bundesauschuß) nach Antrag eines Patientenvertreters, Herr Bornes, um eine finanzielle Erweiterung der Kassenleistung zur „systematischen Therapie der Parodontitis“ gerungen.

Es heißt, es sei Dr. Eßer in Verhandlungen mit dem „Gemeinsamen Bundesauschuss (GBA)“  gelungen, den „Stillstand“ in der Parodontitis-Behandlung in Deutschland aufzulösen. Das sei ein versorgungspolitischer Meilenstein.

Die wichtigste Neuerung unter anderen ist wohl, dass die zur Erhaltung der Erstbehandlung notwendige Nachsorge (Recall oder UPT[2] ) für 2 Jahre [3] von den Kassen bezahlt wird.

Stillstand der Behandlung von Parodontitis?

Tatsächlich steht die Anzahl der in Deutschland jährlich in einer Erstbehandlung „Parodontitis“ behandelten Patienten wie aus „Erz gegossen“: Deutsche Zahnärzte behandeln als Kassenleistung fast gleichbleibend (2015-2020) nur unter einer Million Patienten[4].

Die nach einer Erstbehandlung zur Erhaltung des neuen gesunden Zustandes des Zahnfleisches absolut notwendige Nachsorge (Recall oder UPT) wird bisher privat bezahlt. Daher wird sie in ihrem Umfang und der Qualität statistisch eher nicht erfasst.

Bei diesen Behandlungen gibt es eine kaum durchschaubare Gemengelage:

  • Hilfspersonal wie ZMP oder ZMF[5] mit ungenügender Zusatzausbildung in der Parodontitistherapie, Dentalhygienikerinnen mit Bachelor, Diplom oder mit einer von der BZAEK[6] kontrollierten Fortbildung und Zahnärzte führen die Nachsorge (Recall oder UPT) in Deutschland durch.

Da diese für die dauerhafte Therapie der Parodontitis entscheidende Nachbehandlung nur von Zahnärzten oder Dentalhygienikerinnen durchgeführt werden sollte oder nach wissenschaftlicher Sichtweise kann, ergeben sich erhebliche personelle Engpässe. Das lässt sich zumindest aus den wenigen Zahlen, die verfügbar sind, erahnen.[7]

Nun, diese Behandlungsstrecke kann für die deutsche Bevölkerung von 83,4 Millionen Bürgern ausreichend sein, aber es kann auch viel zu wenig sein. Die Ursache kann bei den Patienten, den Zahnärzten oder in der politischen Bürokratie letzterer liegen.

Letztendlich kann es auch eine Schwäche der demokratischen, föderalen Struktur der Bundesrepublik aufzeigen: Trotz Milliarden Euro jährlich für chronische Krankheiten und chronische Leiden kann eine kleine Berufsgruppe fortschrittliche Zahnmedizin behindern.

Was geschieht bei der Erkrankung „Parodontitis“?

Der menschliche Mund ist ein Einfallstor für alles, was für das Wohlergehen des Patienten gut, aber was auch nachteilig für ihn sein kann: Die Nahrung soll eher gut für den Menschen sein, die dabei mitübertragenen Bakterien [8] können sich bei ungestörter Vermehrung als krank machend erweisen.

Auf Grund der für das Leben und Vervielfältigung der Bakterien sehr guten Umstände (37 Grad Wärme und genügend Nahrung) findet eine rasante Vermehrung statt: alle 20 Minuten verdoppelt sich ihre Zahl. Viele von den neuen Bakterien müssen aus reinen Platzgründen über das Blut, den Atem und Flüssigkeiten in den Körper abwandern. Irgendwo setzen sich die Bakterien fest und  nach Bildung eines schützenden Biofilms vermehren sie sich weiter. Wenn genügend Bakterien einer Art vorhanden sind, dann folgen sie einem „Quorum sensing“ [9] und beginnen mit bakterieneigenen Programmen. Diese können dem Menschen unterschiedlich stark schaden.

Auf diese Weise verursachen die im Mund befindlichen Bakterien etwa 14 chronische Krankheiten des Menschen mit:

Anämie; [10]

Frühere Sterblichkeit [11]; Faktor: 2.16 (times more likely to die!)

Frühgeburt [12];

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD); P. Eickholz 2012

Chronische Nierenkrankheit (CKD) (Eickholz, Salimi; 2010); [13]

Rheumatoide Arthritis (K.Albrecht; ZM; Heft 12/2015; Seite 26-28);CAPEA![14]

Herz-Kreislauferkrankungen  (Faktor 2,0!)[15]; 2x so viele Erkrankungen mit Parodontitis;

Schlaganfall (Faktor 3,0!) (Dörfer; 2004);3x so viele Erkrankungen mit Parodontitis; [16]

Diabetes [17];Kosten: ca.35 Milliarden Euro pro Jahr

Pankreaskrebs [18];

Brustkrebs [19];

Dysphagia (Schluckstörung) [20];

OSA (Obstructive Sleep Apnoe)[21] ;

Ösophagus-Krebs (Krebs der Speiseröhre) [22]; durch Porphyromonas gingivalis?

Alzheimer; durch Porphyromonas gingivalis?

Bild 1:chronische Erkrankungen

Im Munde des Menschen werden durch den jahrzehntelangen Kampf des menschlichen Immunsystems gegen die Bakterien die Zahnfleischtaschen an den ca. 28 Zähnen tiefer und tiefer. Je tiefer die Taschen sind, umso schwieriger (zeitaufwendiger, komplexer und anfälliger für Wiederholungen der Nachbehandlungen) ist die Bekämpfung durch den Zahnarzt und seine Assistenz. In vielen Ländern der Welt hat man wegen der in  modernen Bevölkerungen weit verbreiteten Parodontitis dem Zahnarzt den Beruf der „Dentalhygienikerin“ [23] bei der „systematischen Therapie der Parodontitis“ an die Seite gestellt.

Schon seit geraumer Zeit zahlen die Krankenkassen alle zwei Jahre eine Untersuchung auf Gingivitis bzw. Parodontitis.

Ein Szenario: Einige Jugendliche werden regelmäßig durch ZMP/ZMF mittels einer professionellen Zahnreinigung (PZR) behandelt. Bei einer von der Kasse bezahlten Untersuchung auf Parodontitis wird die Behandlungsbedürftigkeit (beginnende Taschen, ev. Blutung, sog. Papillenblutungsindex (PBI)) festgestellt. Der Zahnarzt entscheidet: Erstbehandlung oder ein Termin bei der Dentalhygienikerin.

Letztere führt ihre Behandlung durch und berichtet, ob ein regelmäßiges „Recall“ für den Patienten ausreichend ist. Über seine ein- bis zweimal jährlichen Recall-Termin bleibt er gesund. Keine Taschen, kein Bluten und keine Plaque und über die Jahrzehnte weniger Zahnverlust.

  • Wenn im Laufe von Jahren die chronischen Krankheiten insgesamt um 10 Prozent (oder mehr?) zurückgedrängt würden, würde es viel Leid bei den Patienten,  viel Zeit durch ärztliche Behandlungen, viele Ausfälle im Beruf und viel Geld für die Kassen ersparen.

Dazu bräuchte es vor allem eine flächendeckende Anzahl an Dentalhygienikerinnen. In der Schweiz und in den Niederlanden darf dieser Assistenzberuf  selbstständig ausgeübt werden. Das hätte sicher auch bei uns eine deutliche Verbreitung in der Fläche zur Folge. Bisher konzentrieren sich die Dentalhygienikerinnen eher auf Großstädte.

Die Diskrepanz im BARMER Zahnreport 2017 zwischen der Diagnostik der Parodontitis von 25 Prozent und der Therapie derselben von 1,8 Prozent könnte idealerweise durch die Dentalhygienikerinnen ausgeglichen werden.

Das wäre zum Wohl von Millionen von Patienten!

Warum der Mund?

Im Munde eines Patienten können die über 700 Bakterienarten in ihrem Biofilm relativ einfach, wiederholbar und insgesamt sehr kostengünstig beeinflusst werden.

Ein großer Vorteil ist, dass die Entfernung des Biofilms mit den Bakterien meist mechanisch, händisch vor Ort, erfolgt. Für viele Entzündungen innerhalb des menschlichen Körpers ist eine mechanische Behandlung nicht möglich. Der Arzt ist gezwungen, Medikamente mittels Infusion oder Tabletten zum Entzündungsherd zu bringen. So wird aber der gesamte Körper des Patienten mit einbezogen.

Viele Länder weltweit sind zum Wohle ihrer Patienten den Forderungen der Wissenschaft nach einem spezialisierten Assistenzberuf gefolgt. Der Beruf der Dentalhygienikerin wird 1913 von A.C. Fones etabliert und in über 100 Jahren ständig weiterentwickelt. Die regelmäßige subgingivale und supragingivale Nachsorge (Recall oder UPT) kann die Bakterienwelt[24] und damit die Lebenszeit eines Patienten sehr zu seinen Gunsten beeinflussen.

Das richtige Lagern eines Patienten ermöglicht dem Behandler einen guten Zugang: Nun folgt das Messen der Taschentiefen mittels einer Sonde an 6 Stellen pro Zahn[25] und andere Parameter mit anschließender Dokumentation. Durch das dann folgende subgingivale Tiefenreinigen der Taschen mittels Curette, Scaler, Ultraschall und Pulverstrahlgerät kann eine deutliche lokale Verbesserung erreicht werden.

Sehr wichtig: Tiefere Taschen sind nicht einsehbar für den Behandler! Es kann bluten, was für die Sicht zusätzlich hinderlich ist. Daher beschäftigt sich die Dentalhygienikerin äußerst genau mit dem Verlauf sämtlicher Taschen an mehreren Stellen um den Zahn herum und trägt diese Maße zusammen mit anderen Parametern wie Furkationen und Ansichten von Röntgenbildern in einen Parodontose-Status sehr sorgfältig ein.

Diese wichtige Ausmessung und der immer wiederkehrende Blick auf den gut ausgearbeiteten Papier-Status ermöglicht es dem Behandler den exakten Verlauf der Taschen zu visualisieren[26].

Der Behandler  benötigt zur subgingivalen Taschentherapie so viele Informationen wie überhaupt möglich!

Nur so ist es ihm möglich, Verletzungen der Gingiva zu vermeiden, aber auch sauber den Biofilm zu beseitigen.

ZMP und ZMF und ev. andere erstellen oft keinen Status, weil ihre Ausbildung sich ursprünglich nur auf die sichtbare Oberfläche der Zähne (supragingival) ausgerichtet hat. Durch den Begriff der „erreichbaren Beläge“ versucht man diese Damen zu motivieren, tiefer in die Taschen vorzustoßen. Das ist nicht ungefährlich, weil sie sich dort anatomisch nicht auskennen und eben auch keinen Parodontal-Status zur besseren Visualisierung der Taschenverläufe erstellt haben.

Das kann man auch als „Blindflug“ bezeichnen!

Dies geschieht meist um geringerer Gehälter willen, ist juristisch aber recht fragwürdig[27].

Die „IFDH“[28] ist die internationale Vereinigung der „Dentalhygienikerinnen“. Auf ihrer Website kann man sehen, dass 24 Regierungen weltweit in ihren Länder sehr bewusst einen eigenen Assistenzberuf, den der Dentalhygienikerin, geschaffen haben. Nur so kann man den Millionen von „Recalls“ oder Nachsorgen (Recall oder UPT) nachkommen. Die Normausbildung setzt Abitur voraus und erfordert ein dreijähriges Studium mit Abschluss „Bachelor“ (EU-Norm: 180 ECTS).

Der deutsche Weg!

Die deutsche Zahnärzteschaft hat einen Sonderweg eingeschlagen und bietet die Ausbildung zur Dentalhygienikerin nur als Fortbildung einer zahnärztlichen Fachangestellten (ZFA mit Hauptschule) an. Die zahnärztliche Politik hat so die völlige Kontrolle über die Anzahl der Fortgebildeten und die Qualität der Ausbildung. Daher haben wir nur etwa  ca. 800 (ändert sich je nach Statistik?) dieser Damen.

Manchem Kollegen scheint diese höhere Ausbildung (Abitur und Bachelor) zu nahe an der Zahnmedizin zu sein. Die der langen Ausbildung entsprechenden Gehälter werden von Zahnärzten oft nicht akzeptiert. Aber wenn man der in Deutschland grassierenden Parodontitis wirksam Paroli bieten will, dann sollte dieser neue Assistenzberuf auch das Richtige gerne leisten können.

Für die vielen Erscheinungsformen der Parodontitis mit sich extrem unterschiedlich entwickelnden Taschen und auch für die vielfach sehr unterschiedlichen Begleitprobleme wie schlechte Mundhygiene, Rauchen und die ungesunde Ernährung so manches Patienten ist eine hochwertige dreijährige Ausbildung mit dem Abschluss Bachelor sinnvoll. Selbstverständlich wird der Beruf der Dentalhygienikerin staatlich anerkannt. Die notwendige Anzahl sollte weitgehend dem freien Markt überlassen werden.

Zurück zur „systematischen Parodontitis-Therapie“.

Wissenschaftlich und auf die Praxis übertragen, besteht eine solche Behandlung aus einer Erstbehandlung: der Diagnose, dem sorgfältigen Erstellen des PAR-Status, einer Planung der Behandlung. Dann folgt meist eine „geschlossene Curettage“ (also die subgingivale Tiefenreinigung aller Taschen). Und wenn die Erstbehandlung erfolgreich gewesen ist, muss sich eine regelmäßige Nachsorge[29] (Recall[30] oder UPT[31]) anschließen.  Diese einstündige Behandlung ist in den wichtigsten Kriterien der Erstbehandlung ähnlich: in einem Parodontalstatus werden zu Beginn viele Parameter zum Zustand der Gingiva erfasst. Die Dentalhygienikerin prüft und reinigt supragingival und subgingival gleichermaßen. So wird der  in den Taschen wieder vorhandene Biofilm gründlich durch eine geschlossene Kurettage entfernt!

Diese geschlossene Kurettage durch eine Dentalhygienikerin ist der „Knackpunkt“ für die deutsche Zahnärztepolitik. Im Ursprung ist diese Behandlung den Zahnärzten vorbehalten.

Aber es gilt auch:

            a. Zahnärzte haben wenig Interesse, für ca. € 120,- eine Stunde bis zu 168 unterschiedliche Taschen supra- und

subgingival zu reinigen und

            b. Die Zahl der Parodontitis-Patienten sehr hoch ist.[32]

Bild 2: Wer reinigt was und wo!

So hat man in 24 Ländern weltweit [33] zum Besten der Patienten zugelassen, dass eine ursprüngliche Tätigkeit nämlich die „subgingivale geschlossene Kurettage“ oder das „scaling and root planing (SRP)“ der Zahnärzte auch von einem Assistenzberuf ausgeübt wird.  Das dreijährige Studium (EU-Norm: 180 ECTS) ist nötig, um das anatomische, aber auch anderes Wissen und die richtige Behandlungsroutine zu bekommen. Die Dentalhygienikerin konzentriert sich beruflich rein auf die Behandlung der Parodontitis. So stellt sie bis zu 2 000 Jahresstunden Therapie für ihre Patienten bereit.

Diese Zusammenhänge sind auch in Deutschland seit Jahren bekannt.

Was führt zum Notstand in der Parodontitistherapie?

Pro Jahr nur eine Million Patienten an Parodontitis über die Kassen zu therapieren ist deutlich zu wenig.

A. In der neuen Approbationsordnung vom Juli 2021 sind die Tätigkeiten der zahnärztlichen Berufsausübung seit 1955 nahezu unverändert aufgezeigt: Die ersten beiden Themen sind weiterhin die Prothetik und die Kieferorthopädie.

Und wie seit 1955 wird die Parodontologie innerhalb der Kariologie an sechster Stelle aufgeführt. Parodontitis macht nur 6% in der Lehre eines Studenten aus (Prof. Dr. Eickholz schon 2012).  Unverändert, obwohl eine neue Gewichtung durch die Erkenntnisse der chronische Miterkrankungen wirklich notwendig wäre.

Diese anachronistische Werteeinstellung zur Parodontitis während der studentischen Ausbildung setzt sich später eins zu eins in der Grundeinstellung des niedergelassenen Zahnarztes fort.

Daher werden wir weiterhin eine „Reparatur-Zahnmedizin“ und keine „Präventions- Zahnmedizin“ in Deutschland haben. Das „Weiterso“ ist der zentrale Aspekt der deutschen Zahnmedizin.

Hinzu kommt eine wichtige Veränderung in der Bezahlung durch die Kassen. Das Splitten der Bezahlung in eine Erstbehandlung mittels AIT[34] und eine oft nicht notwendige chirurgische Tätigkeit ist für die Praxis ungut. Die relativ einfache Gesunderhaltung der Zähne mittels Dentalhygienikerin und regelmäßiger guter Zahnreinigung in der Praxis wird dadurch deutlich entwertet. 

Die stetig wachsende, lukrative Implantologie drängt in Deutschland alle Versuche zur ernsthaften Prävention von Parodontitis zur Seite.

Ein Beispiel: Die Deutsche Gesellschaft  für Parodontologie (DGParo[35]), die einst aus der Bekämpfung der Parodontitis heraus gegründet wurde, widmet in ihrer Website der Implantologie[36] 7,5 MB Daten. Der nach der Erstbehandlung sehr wichtigen, lebenslangen Nachsorge (Recall oder UPT) widmet die DGParo gerade einmal 496 KB.

Weiter scheint die DGParo nun auch einer 2 Punktmessung der Taschentiefen bei der Kassenbehandlung zugestimmt zu haben. Aber gerade im Bereich der mehrwurzeligen Zähne und ihren diversen Furkationen ist eine 6 Punkt-Messung der internationale Standard. Ansonsten droht der „Blindflug“ in den Taschen deutscher Patienten!

Die Taschentiefenmessung an 6 Punkten ist bei einer Therapie durch Zahnärzte oder Dentalhygienikerinnen nicht verhandelbar!

Wenn man hingeht und einmal die vielfältigen, zum Teil älteren Beiträge der DGParo auf der Website der DGParo durchliest, so fällt auf, dass einzig der Nicht-Zahnmediziner Herr Erich Irlstorfer, MdB, schon 2015 in der Zeitschrift „IGZ, Die Alternative Nr. 1/2015“ ab Seite 24 darüber nachdenkt, wie Parodontitis in Deutschland mittels dual ausgebildeter Dentalhygienikerinnen als Assistenzberuf therapiert werden kann.

FAZIT: Natürlich braucht jede Zahnarztpraxis Umsatz durch die Prothetik. Auf der anderen Seite hat die Politik der Zahnärzteschaft  die Prävention und die Therapie der Parodontitis als zuverlässigem Partner anvertraut. Aber durch ein nahezu „Nichtbewegen“ koppelt sich die Zahnmedizin bei der quantitativ und qualitativ hochwertigen „systematischen Therapie der Parodontitis“ von einer modernen Gesundheitspolitik ab.[37]

Obwohl der orale Zugang extrem effektiv und sehr kostengünstig ist. Andere Körperstellen sind völlig unzugänglich und Antibiotika oder andere Pharmazeutika sind die Therapie der Wahl. Diese Alternativen sind teurer[38] ,werden wegen auftretender Resistenzen schwieriger und betreffen meist den ganzen Körper des Menschen.

  • Durch eine enge und intensive Teamarbeit von Zahnärzten und einer Vielzahl von gut ausgebildeten Dentalhygienikerinnen könnte großes Leid von den Patienten abgewendet und auf Dauer erhebliche Kosten für das Sozialsystem eingespart werden.

B. Ansehen und  wirtschaftliches Wohlergehen sind für eine Berufsgruppe wichtig.

Das Ansehen eines Berufes in der Öffentlichkeit hängt auch mit den Tätigkeiten zusammen. Umfangreiche oder blutreiche Operationen in der Parodontologie schaffen auf Grund der für den Patienten höheren Bedrohungslage mehr Ansehen für den Arzt als penibles, mühsames, mit negativen Geräuschen und leichten Beschwerden behaftetes „Kratzen“ [39] an Zähnen und Wurzeloberflächen.

Das wirtschaftliche Wohlergehen schafft der Verlust der Zähne durch die Parodontitis. Zur „bella figura“ eines Patienten gehört natürlich ein strahlendes möglichst nicht durch Zahnlücken unterbrochenes Lächeln. Diesen Wunsch erfüllt die Implantologie perfekt. Da die Implantologie vom Patienten weitgehend privat zu bezahlen ist, entzieht sie sich qualitativer und quantitativer Kontrollen.  Fehlende Zähne werden heutzutage mittels Implantaten oft eins zu eins ersetzt. Das erhöht die Anzahl der Implantate.

  • Wenn aber zwei Drittel (63%) aller Implantate unter Periimplantitis[40] leiden, dann gibt es hier ein totales Systemversagen, also eben keine „systematische Therapie der Parodontitis“.
  • Zähne gehen durch Bakterien verlustig. Eine einmalige Erstbehandlung ohne nachfolgende Nachsorge(Recall oder UPT) wird eine Parodontitis nicht zum Stillstand bringen. Nur eine Erstbehandlung mit mindestens zwei Nachsorgen (Recall oder UPT) zeigt ob eine Situation stabil ist. Und ob die Adherenz (Compliance; Mitarbeit) des Patienten das Implantieren sinnvoll erscheinen lässt. Ein gut funktionierendes Team aus Zahnarzt und Dentalhygienikerin hat die Kraft dieses Ziel zu erreichen!

C. Zwei weitere Instrumente sind es, die bei zukünftigem Zahnverlust mithelfen:

1. die Wirtschaftlichkeitsverfahren und

2. der Mangel an Assistenzen.

Ad 1.

Um eine genaue Kontrolle über die Tätigkeiten des einzelnen niedergelassenen Zahnarztes zu bekommen, ist die „digitale Revolution“ ideal. Die kassenzahnärztlichen Vereinigungen (KZV) der 16 Bundesländer sind die finanziellen Vermittlerinnen zwischen Zahnarzt und Kassen. Dabei geht es um die Bezahlung jeder einzelnen mit der Kasse vereinbarten Handlung am Patienten.

Die KZVen als Körperschaften liegen in den Händen der Zahnärzteschaft.

Und so hat man dort die völlige statistische Kontrolle über die Kollegen vor Ort. Die niedergelassenen Kollegen bekommen jedes Quartal ein mehrseitiges Schreiben, in dem ihre mit der Kasse abgerechneten Handlungen aufgelistet und aufgezeigt werden. Sie bekommen zusätzlich mitgeteilt, um wieviel Prozent ihre eigenen abgerechneten Tätigkeiten von den  benachbarten Kollegen (der Stadt oder des Landes) abweichen.

Zurück zur Parodontitis:

Ein Zahnarzt behandelt wenig oder gar keine Parodontitis?

  • „Wenig“ oder „keine“ Parodontitis zu behandeln ist kein Problem für die sechzehn ländereigenen kassenzahnärztlichen Vereinigungen!

Es wird nicht gefragt, warum die Behandlung von Parodontitis in einer Praxis nur gering ist. Es wird auch nicht darüber nachgedacht, ob eventuell eine Fortbildung als Anreiz für die Kollegen sinnvoll wäre.

Auf der anderen Seite kann durch Fortbildung die Behandlung von „Parodontitis“ in einer Praxis zunehmen. Dann überschreitet man womöglich in der Folge ein oder zwei Quartale den prozentualen Durchschnitt der Kollegen.

Dann bekommen Sie Post von ihrer KZV. Es ist eher unangenehme Post.

Die Grundfrage in diesem Schreiben ist: Können Sie den Kollegen in der KZV erklären, warum Sie mehr Parodontitisfälle haben als ihre benachbarten Kollegen?

Und Sie bekommen die Möglichkeit, ihre prozentuale Auffälligkeit vor Ort bei der KZV zu erklären. Dazu bereiten Sie drei Ihrer Fälle mit allem, was dazu gehört,[41]  vor. Mit viel Zeit fahren Sie zu ihrer KZV. Dort werden sie von drei Kollegen unterschiedlichster Couleur empfangen. Bei Unklarheiten  kann es geschehen, dass von der KZV bezahltes Geld wieder zurückgefordert wird.

Hier ein besonders schönes Beispiel, von Prof. Dr. Peter Eickholz[42] zitiert:

Eine Spezialistin für Parodontologie (eine zeitlich fordernde und finanziell aufwendige Zusatzqualifikation in Münster) muss dem auch „Beratungsgespräch“ genannten Gremium antreten.

Sie erhält den guten Rat, sie solle doch nicht so oft bzw. bei so vielen Patienten (mittels der Parodontalsonde; der Autor) Sondierungstiefen messen, dann hätte sie auch nicht so viele Parodontitisfälle!

Das wird von Prof. Dr. Peter Eickholz so kommentiert:

„So werden in Deutschland Gesundheitsprobleme von der verfassten Zahnärzteschaft gelöst! Nicht so oft den Blutzuckerspiegel bestimmen, dann müssen sie auch nicht so viele Diabetes-Patienten behandeln.“

Zahnärzte sollten sich von dem Gedanken lösen, dass in einer modernen Zahnmedizin nur Ärzte benötigt werden. Die Teamarbeit von Zahnarzt und assistierendem Personal (ZFA, ZMP, ZMF und Dentalhygienikerin) ist in der Zahnmedizin vor allem für alle Patienten mit Parodontitis und chronischen Krankheiten die deutlich glücklichere Lösung.

Selbst wenn man in der nahen Zukunft weniger Wirtschaftlichkeitsverfahren durchführen will, der Schaden ist schon lange da.  Mit dieser Zwangsreduzierung der durchgeführten Parodontitisfälle hat man erreicht, dass Deutschland auf Jahre das Land der Implantate geworden ist.

Ad 2. Beschränken kann man die Zahl der jährlich behandelten Fälle auch durch die Mitarbeiterzahl innerhalb der Assistenzberufe.

Nochmals: Prophylaxe-Assistentinnen (ZMP) und zahnmedizinische Fachassistentinnen (ZMF) haben für eine wissenschaftlich fundierte Nachsorge (Recall oder UPT) der Parodontitis keine ausreichende Ausbildung. Es wird versucht, sie aufzuwerten: Dazu gehört auch das Unwissen verzeihende Wort der „erreichbaren Beläge“der Bundeszahnärztekammer (BZAEK). Eine „professionelle Zahnreinigung (PZR)“ (oder PMPR“?) klingt für den Patienten gut, aber sie ist nicht in der Lage, die vom Zahnarzt und seinem Team erstbehandelte Parodontitis weiter auf dem richtigen Kurs zu halten.[43]  

Insoweit war die Idee, Dentalhygienikerinnen nur über eine Fortbildung auszubilden, fast genial.

Denn wie gewünscht, schaffen es zu wenige, diese lange Jahre dauernde Zusatzqualifikation zu erreichen[44]. Das Pfaff-Institut in Berlin schreibt 2013 mit Stolz, „in 7 Jahren einhundert Dentalhygienikerinnen“ [45] ausgebildet zu haben. Nun sind wieder 7 Jahre vergangen. Sind wieder einhundert Dentalhygienikerinnen ausgebildet worden?

Die deutschen Zahnärzte verfehlen die gesetzliche Forderung  zur Gesunderhaltung der Patienten mittels der „systematischen Therapie der Parodontitis“ seit Jahren. Das ist auch an der schon genannten Periimplantitisquote von 63% [46] zu erkennen. Die gleichen Bakterien, durch die Patienten eigene Zähne verloren haben, befallen eben auch Implantate. Durch keine oder wenig(?) Nachsorge (Recall oder UPT) werden extrem teure, privat zu bezahlende Operationen mit „Knochenersatz“ und „Folien“ notwendig. Wie nebenstehend zu sehen ist.

Bild 3: Neugebauer; MBZ 28.11.2016

Die zerstörerische Macht der ungestört agierenden Bakterien fasziniert auf diesem Foto!

Bachelor – gegen Fortbildungs-DH und ZMP/ZMF?

Das Selbstwertgefühl einer an der Universität ausgebildeten Bachelor-Dentalhygienikerin ist für eine Praxis ein nicht zu unterschätzendes Problem.

Sie kommen frisch von der Hochschule. Sie sind selbstbewusst und fordern Wertschätzung. Eine junge Dentalhygienikerin kann mehr über Parodontitis wissen als der Chef. Richtigerweise hat sie oft deutlich mehr händische Erfahrung im Munde. Die Lohnforderungen sind auch höher als bei den Fortgebildeten.

Eine Dentalhygienikerin, die nach deutschem Fortbildungsgesetz ausgebildet wird, hat lange Jahre der Zugehörigkeit zu einer Praxis. Dort nach dem Examen das Doppelte des bisherigen Gehaltes zu fordern ist nahezu unmöglich! [47]  In eine ähnliche Richtung zielt ein zahnärztlicher Kollege von der KZV Berlin[48]. Er befürchtet, dass die Zahnärzteschaft bei einer internationalen, Ausbildung, die „Hoheit“ über den Beruf der Dentalhygienikerin verliert.

Drei europäische Länder (Frankreich, Deutschland und Österreich) stehen einer freien Entwicklung des Berufes der Dentalhygienikerin ablehnend gegenüber. Die Bundeszahnärztekammer ist einen Sonderweg gegangen und lässt die Dentalhygienikerin nur über den Weg der Fortbildung zu. Der Beruf der zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA; früher „Helferin“) fordert nur den Besuch der Hauptschule. Von diesem Bildungsstand aus die hohen Bedingungen der Fortbildung zur Dentalhygienikerin zu erfüllen ist sehr fordernd. Daher bleibt die Zahl der deutschen fortgebildeten Dentalhygienikerinnen unter eintausend. Da die Zahl der an Parodontitis erkrankten Patienten sehr hoch ist, bräuchte Deutschland bis zu 70 000 Dentalhygienikerinnen.

Es gilt ja: Jeder Erstbehandlung muss eine Nachsorge (Recall oder UPT) durch eine Dentalhygienikerin erfolgen! Mitunter anfänglich bis zu viermal jährlich, später zweimal im Jahr.

Immer wieder: Die in Deutschland viel zu oft angebotene „professionelle Zahnreinigung (PZR)“ (auch neu „PMPR“?)  durch Hilfskräfte wie ZMP [49] oder ZMF hat wenig Auswirkung auf die Zahnfleischtaschen und den Biofilm.  Frau Prof. Dr. Westfelt hat diesen Nachweis schon 1998 in Schweden geführt. Aber auch viele andere Kollegen wissen das.

So hat der deutsche Zahnarzt, der Parodontitis behandeln will, das Dilemma: eine Dentalhygienikerin findet er außer in Großstädten selten, ihre Gehaltsforderungen sind mitunter schmerzhaft. Manchen stört auch das spezielle Wissen des Mitarbeiters.

Die Aussage „Ende des Stillstandes der Parodontitistherapie“ versteht man nicht wirklich.

Denn die deutsche Zahnärzteschaft hat selber über ihre politischen Vertreter dafür gesorgt, dass Stillstand herrscht.

a. Durch den zumindest aus Sicht der Millionen Patienten viel zu geringe Output an Dentalhygienikerinnen,

b. Durch die Beschränkung der Erstbehandlungen über die Wirtschaftlichkeitsverfahren,

c. Durch über Jahre veröffentlichte negative Berichte zur Tätigkeit einer Dentalhygienikerin[50],

d. Durch die Blockierung der geschlossenen Kurettage als zahnmedizinische Tätigkeit. Obwohl 24 Länder in der „International Federation of Dental Hygienist (IFDH)“ mit 400 000 Mitglieder aufzeigen, dass eine Zusammenarbeit von Zahnarzt mit Assistenzberuf sehr wohl möglich ist.

Heutzutage wären viele deutsche Zahnärzte oftmals froh, leichter an eine gut ausgebildete Assistenz für ihre Patienten, gerade auch für die Implantatträger, zu kommen.

Für eine Verbesserung oder auch eine weitere Steigerung der Zahl an Therapien in Deutschland ist deutlich zu wenig Fachpersonal vorhanden. Denn nur mit deutlich mehr Assistenzpersonal könnte dem Patienten eine Therapie

      a. bei Gesunden mittels einer PZR durch ZMF oder ZMP  oder

      b. bei Parodontitis eine Behandlung in Form einer Nachsorge (Recall oder UPT) durch Dentalhygienikerinnen (oder Zahnarzt) am Wohnort garantiert werden.

Bei der 25. Jahrfeier der Dentalhygienikerinnen in Stuttgart bringt es Priv.-Doz. Dr. Christian Graetz in seinem Vortrag über die „Prävention, Therapie und Nachsorge parodontaler Erkrankungen“ auf den Punkt:

                        „Einmal ist keinmal! Biofilme entwickeln sich ein Leben lang – also müssen sie                          auch lebenslang entfernt werden!

                                    Nur: Wer macht das? Wer macht was?“

Klare Antwort:

Das ist eine Aufgabe an das ganze Team – mit der Dentalhygienikerin im Mittelpunkt der parodontalen Nachsorge (Recall oder UPT)!“

Im Team eventuell mit Dentalhygienikerin kämpft der Zahnarzt einen Großteil seines Berufslebens für die Gesundheit der Patienten, aber auch für die Erhaltung der eingebrachten Prothetik. Aber im Jahre 2021 scheint es in Deutschland immer noch an „Unanständigkeit“ zu grenzen, wenn man den Begriff „Dentalhygienikerin“ kennt, schreibt oder „in den Mund“ nimmt!

Forderung:

  1. Selbstverständlich ist es jedem Zahnarzt freigestellt, Parodontitis zu behandeln. Aber dass angesichts der ziemlich „ lauten“ Katastrophe in den letzten Jahren verniedlichend von der „stillen Volkskrankheit Parodontitis“[51] gesprochen wird, wundert schon. Auf dem Dt. Zahnärztetag 2014 macht die Präsidentin der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), Frau Prof. Dr. Bärbel, ein Statement. Daraus kann man entnehmen:

a. 40% der Erwachsenen haben eine moderate und

b. bis 22% der Erwachsenen und Senioren haben eine schwere Parodontitis.

c. eine Frage dazu: Wie viele der 5,46 Millionen Jugendlichen von 14-20 Jahre haben schon erste Anzeichen von Parodontitis?

Trotz der parodontalen Katastrophe wird in verschiedenen Gremien und Veröffentlichungen der Zahnärzteschaft von „individualisierter Behandlung“ gesprochen. Sind angesichts der 35 Millionen an Parodontitis Erkrankten  eine Million Erstbehandlungen (KZBV; 2015-2020) nicht individuell genug? Das Leistungsvermögen der deutschen Zahnärzte ist bei der Therapie (BARMER Zahnreport 2017) ganz klar: 1,8 Prozent.

Wie oben beschrieben wurde der GKV die Bezahlung der Nachsorge bis zu zwei Jahren abgerungen. Doch wer macht denn eine 2-4 malige Nachsorge(Recall oder UPT) pro Jahr bei Millionen von Patienten?

Moderate PAR 40% Erwachsenen
(nach Prof. Kahl- Nieke)
 2 x Recall/UPT per annumBehandler mit ca. 2 000 Std./pro Jahr 
19.472.00038.944.00019. 472 
Schwere PAR (22%) Erwachsene/Senioren4x Recall/UPT per annum  
14.729.00058.916.000 29.458 
34.201.000    Kranke brauchen mindestens 48.930Behandler/innen

                Bild 4: Arbeitskräfte für PAR-Therapie; mit statista 2020;

Wenn man die Parodontitis ernsthaft „in den Griff“ (Dr. Eßer äußerte sich so 2015  gegenüber dem Spiegel) bekommen will, dann fehlen mindestens 50 000 Assistenzen.

Die Zahnmedizin muss im Bereich der Parodontitis vollkommen neu aufgestellt werden. Geeignete Modelle gibt es genug in Europa:  Die Niederlande, die Schweiz oder die nordischen Länder sind Vorbilder.

Aber es braucht eine staatliche Anerkennung als Beruf und ein wertschätzendes Gehalt.

  • Wie es Herr Irlsdorfer, MdB, angeregt hat: neben der Fortbildung zur Dentalhygienikerin sollte eine Hochschulvariante eingerichtet werden. Diese bilden nach EU-Norm mit 180 ECTS aus.
  • Wissenschaftlich korrekte Nachsorge (Recall oder UPT) soll von den Kassen nur anerkannt werden, wenn sie durch einen Zahnarzt oder eine Dentalhygienikerin durchgeführt wird.
  • Implantate dürfen nur nach Erstbehandlung einer Parodontitis und zweimal Nachsorge (Recall oder UPT) eingesetzt werden. Also 2. Status nach AIT. Es kann nicht sein, dass Implantate in eine parodontologisch instabile Situation gesetzt werden. Das könnte der Grund für die heutige Peiimplantitis-Situation von 63% sein.
  • Die für die Weiterentwicklung des Berufes Zahnarzt und Assistenzen behindernden politische Ansichten sollten aus der Tätigkeit der zahnärztlichen Verbände BZAEK und KZBV herausgehalten werden.

Jörg Junker


[1] zahnärztliche Mitteilungen (ZM), Mitteilungsblatt Berliner Zahnärzte (MBZ); ZWR (Das deutsche Zahnärzteblatt) u.a.

[2] Unterstützende Parodontitis Therapie

[3] Ev. mit Verlängerung für ein weiteres halbes Jahr. Leider ist man gleichzeitig einen großen Schritt zurückgegangen bei der Messung der Zahnfleischtaschen: statt 6 Messungen pro Zahn nur noch 2 Werte. Dadurch wird der kontrollierte Zugang zur Tasche mit Instrumenten sehr erschwert, nahezu unmöglich gemacht.

[4] Veröffentlichung der kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV);

[5] Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin (ZMP) und zahnmedizinische Fachassistentin (ZMF); für dieses Hilfspersonal wurde auch der Begriff der „erreichbaren Beläge“ von der BZAEK enzwickelt.

[6] Bundeszahnärztekammer;

[7] Seit Jahren werden etwa eine Million Erstbehandlungen gemacht. Die nachfolgenden Nachsorgen (Recall oder UPT) liegen schon nach 4 Jahren bei mindestens 7 Millionen Arbeitsstunden, 800 Dentalhygienikerinnen können 1,2 Millionen Stunden leisten. Bleiben 5,8 Millionen Stunden für die Zahnärzte?

Monate seit BeginnCa. Erstbehandlungen durch Zahnarzt Zahlen der KZBVErforderliche Nachsorge Stunden bei 2x Recall/UPT pro JahrBehandlungs- wiederholung 20%. 2x RecallNicht/chirurg. Behandlung  Benötigte Anzahl Dentalhygienikerinnen
   6 Mon. Therapie500 000    
1,0 Jahr500 000600 000 150 000100 000566
1,5 Jahre500 0001200 000  300 000200 0001133
2,0 Jahre500 0001.800 000  600 000400 0001866
2,5 Jahre500 0003.000 0001.200 000500 0003133
3,0  Jahre500 0003.600 0001.500 000600 0003800
3,5  Jahre500 000 4.200 0001.800 000700 0004666
4,0  Jahre500 0004.800 0002.100 000800 0005133

Tabelle 2: Wer behandelt die Nachsorge (Recall oder UPT) bei einer Million Erstbehandlungen?

[8] Mindestens 706 Arten; Dewshirst 2015;

[9] Prof. Dr. Bonnie Bassler; How Bacterias talk; You Tube;

[10] M. D. Patel; Interrelationship between chronic periodontitis and anemia: A 6-month follow-up study; J. Indian Soc Periodontol. 2014 Jan-Feb; 18(1): 19–25

Balakesavan; 2013

[11] Tramini; Söder; Ajwani; 2007

[12] O. Huck; 2011

[13] In Deutschland gibt es ca. 9 Mio. Menschen mit CKD; Davon benötigen etwa 80 000 Patienten eine Dialyse; Die Kosten /Jahr betragen pro Patient:

Stage III: EUR 8 030,-; Stage IV: EUR 9 760,-; Dialysis: EUR 44 374,-

[14] Course and Prognosis of Early Arthritis;

[15] Rutger Persson; 2003;

[16] Kosten (2006-2015) von 50-60 Milliarden Euro;

[17] Iacopino AM; 2003;

[18] Michaud; 2007;

[19] Freudenheim; 2015

[20] Ortega; 2014;

[21] Obstructive Sleep Apnea; P. Famili; 2015;

[22] Chun-Han Lo; Periodontal disease, tooth loss, and risk of oesophageal and gastric adenocarcinoma: a prospective study; bmj 2020; volume 70; issue 3;

[23] Englisch „Dental Hygienist“ oder „registered Dental Hygienist“;

[24] Bild 5: Situation am Zahn;

Bild 6: Aus L. Abusleme; The ISME Journal 7 (2013); 1016-1025

[25]

[26]

Schema 1: aus ZM 23/24 2017

Abbildung: Attachmentstatus im Ausgangsbefund: Die rote Färbung in der dargestellten Handfläche entspricht der in diesem Fall vorliegenden Gesamtentzündungsfläche von 1157 mm2 (PISA-Score). Die Abbildung des Attachmentstatus und der Handfläche wurden mithilfe des Programms “ParoStatus.de“ generiert. | Quelle: Jepsen & Dommisch, 2014

[27] Prof. Saxer; Was wenn die Dentalhygiene keine ist; Tagesspiegel Zürich; 05.11.2013

[28] International Federation of Dental Hygienists

[29] Ein neuer Parodontalstatus mit allen Parametern wie Taschentiefen an 6 Stellen eines Zahnes, Blutung, Bifurkationen, Lockerungsgrade von Zähnen usw.

[30] Die Dentalhygienikerin gibt den Zeitrahmen für die kommende Behandlung vor; der Patient kann gleich einen neuen Termin machen oder er lässt sich von der Praxis anrufen: „Recall“ in Englisch sprachigen Ländern;

[31] „Unterstützende Parodontitis Therapie“ meint das Gleiche wie „Recall“; es ist halt Deutsch;

[32] Die Deutsche Mundgesundheitsstudien (DMS IV; 2006) und (DMSV; 2016) gehen von 11 Millionen mittlerer und schwerer Parodontitis aus. Wenn man alle Altersgruppen und alle Erkrankungen auch der leichten hinzunimmt, kommt man auf ca. 36 Millionen deutsche Bürger.

[33] International Federation of Dental Hygienists (IFDH);

[34] Anti infektiöse Therapie (AIT)

[35] Deutsche Gesellschaft für Parodontologie;

[36] Im Grunde nicht das Thema der Gesellschaft; aber 4 Millionen Implantate pro Jahr erbringen 16 Milliarden. Wer könnte daran vorbeigehen?

[37] BARMER Zahnreport 2017: 25 % Diagnostik, 1,8 %Therapie; 1Million Erstbehandlung, unter 1 000 DH;

[38] 10 Jahre Nachsorge kosten bei 2maligen jährlichen Besuch der Dentalhygienikerin ca. 3 000 Euro; ein Implantat alleine kostet ca. 4 000,-Euro

[39] Prof. Dr. CH. Benz; Bohrst Du noch oder kratzt Du schon; ZM 106; 11; 1.6.2016;

[40] Periimplantitis ist im Grunde Parodontitis am Implantat; die nicht regelmäßig entfernten Bakterien durch eine kontrollierte Nachsorge (Recall oder UPT) befallen gerne auch neue Implantate; M. Franke; Periimplantitis-eine neue Herausforderung; Parodontologie 2013; 24 (1); S. 69-75

[41] Vom Modell über die Röntgenaufnahmen, den PAR Plan und und.

[42] Prof. Dr. Peter Eickholz; Parodontologie 2011; 22 (1); 3

[43] Das hat schon 1998 Frau Prof. Dr. Westfelt , aber auch andere nachgewiesen;

[44] 3 Jahre bis zur ZFA; 1 Jahr Arbeit; dann Ausbildung zur ZMP; mind. ein Jahr Arbeit in dem Beruf; dann DH?

[45] MBZ 04/2013; S. 32: Über 100 DH in 7 Jahren;

[46] M. Franke; Periimplantitis-eine neue Herausforderung; Parodontologie 2013; 24 (1); S. 69-75

[47] In den USA verdient eine „nomale“ Angestellte etwa 35 000 $ im Jahr, eine Dental Hygienist ca. 70 000 $;

[48] Dr. Förster; MBZ 06/2015; Eigenständiges Berufsbild Dentalhygienikerin; S. 22-23

[49] Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin (ZMP) und zahnmedizinische Fachassistentin (ZMF);

[50] Dr. Engel; Transparenz für die DH; ZM 105;10;16.05.2015; 6

    Dr. Engel; Zahnmedizin groß denken; ZM 105; 13; 1.12.2015; 6

    Prof. Dr. Oesterreich; DH-Das sind die Fakten; ZM 106; 7; 1.04.2016; 6

    Prof. Dr. Christoph Benz; Bohrst du noch oder kratzt du schon? ZM 106; 11; 1.6.2016; 6

    Dr. Förster; Eigenständiges Berufsbild Dentalhygienikerin; MBZ 06/2015

[51] Frau V. Hönighaus, KZBV, MBZ 06/2017

Die Fische in den Ozeanen haben Putzerstationen. Hier werden die Fische von professionellen Putzergarnelen (Dentalhygienikerinnen) gereinigt.