Parodontitis und die Nachsorge (Recall oder UPT)

Die Parodontitis und die Nachsorge (Recall oder UPT).

Die Parodontitis1 trifft früher (schlechte Mundhygiene) oder später (gute Mundhygiene mit regelmäßiger „professioneller Zahnreinigung (PZR)“ durch ZMP oder ZMF) nahezu jeden Menschen.

Das nebenstehende Schema macht klar, dass ein Parodontitispatient nach einer ersten Behandlung durch den Zahnarzt sein Leben lang zu einer regelmäßige Nachsorge (Recall oder UPT2 genannt) gehen muss. Während dieser einstündigen Sitzung erfolgt nicht nur eine oberflächliche (supragingivale) Reinigung des sichtbaren Bereichs im Mund statt, sondern die Zahnfleischtaschen müssen auch in ihrer ganzen Tiefe gereinigt werden (subgingival!). Das aber kann nur die Dentalhygienikerin. In 23 Ländern gibt es ca. 400 000 dieser Spezialistinnen für die Parodontitis. Deutschland hat sich da leider, rein von den Zahlen her, abgekoppelt. Die etwa 500 vorhandenen Profis  sind sehr schwierig zu finden. Mitunter wird auch eine „professionelle Zahn Reinigung (PZR)“durch eine zahnmedizinische Prophylaxeassistentin (ZMP) oder eine zahnmedizinische Fachassistentin (ZMF) empfohlen. Das ist aber eine rein vorbeugende3 Behandlung, hilft also kaum einem an Parodontitis bereits erkrankten und/oder behandelten Patienten.

Das ist wohl Fakt: Der BARMER Zahnreport 2017 zeigt, dass 98,2 Prozent der deutschen Zahnärzte keine Parodontitis therapieren! Und nur 25,25 Prozent stellen die Diagnose “Parodontitis”.

Also ist der Patient völlig auf sich alleine gestellt! Er muss sich selber einen Zahnarzt suchen, der Parodontitis behandelt und/oder eine Dentalhygienikerin beschäftigt.Selbst als Parodontologen ausgewiesene Zahnärzte beschäftigen eventuell schlechter ausgebildetes Personal. Es ist halt preiswerter.

 

So sieht der Zahnarzt im Röntgenbild den Schaden, den eine Zahnfleischentzündung Parodontitis im Kiefer eines Patienten bewirkt.

Nur auf dem Röntgenbild ist der Knochenverlust um die Zähne herum im menschlichen Kiefer sichtbar: Die über Jahre- und Jahrzehnte andauernde Nichtbehandlung der Zahnfleischtaschen führt zum Abbau des Knochens im Ober- und Unterkiefer. Dadurch lockern sich die Zähne. Sie sind nicht mehr in der Lage, den Kaudruck aufzunehmen. Sie lockern sich und fallen aus oder müssen durch den Zahnarzt wegen Schmerzen entfernt werden. Heute werden sie oft durch Implantate ersetzt. Diese leiden aber unter den gleichen Bakterien wie vorher die Zähne des Patienten.

Wie und wo kann ich also eine Dentalhygienikerin finden?

Bei www.BDDH.info/Mitglieder gibt es eine Liste den 16 Bundesländern.

HTTPS://DGDH/praxenüberblick  hat auch nach Ländern gelistet.

www.DDHV.de/Karte listet ebenfalls Dentalhygienikerinnen auf.

In Berlin gibt es auch das “Philipp- Pfaff-Institut“, Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin, Tel.: 030 4147250

Hier werden Dentalhygienikerinnen (DH) ausgebildet. Auch die große Praxis „KU64“ hat mehrere, auch männliche DH.

Frau Southwell, Dentalhygienikerin aus New York, arbeitet bei „B1 Zahnärzte“,  Clayallee 177, 14195 Berlin, 030 221913060

Dr. Ursula Süßbier, Schwalbacherstr. 6, 12161Berlin Friedenau, Telefon030 8216345 beschäftigt, soweit ich weiß, eine Dentalhygienikerin.

Wenn Sie eine Behandlung durch eine Dentalhygienikerin wollen, dann folgendes:

  1. Sie können selbstverständlich bei ihrem bisherigen Zahnarzt bleiben. Auch wenn er keine Parodontitis behandelt.
  2. Sie rufen in der Praxis, in der die Dentalhygienikerin arbeitet, an. Sie fragen nach der Dentalhygienikerin (Name). Es kann ja sein, dass diese dort gar nicht mehr arbeitet. Die oben angegebenen Verzeichnisse werden nicht immer gut gepflegt. Sie sagen deutlich, dass Sie nur zu ihr wollen! 4
  3. Die Behandlung ist eine Privatleistung. Also bitte nach dem Preis für eine einstündige Behandlung fragen.
  4. Da die Behandlung eine private Leistung ist, ist eine nachfolgende Untersuchung durch einen Zahnarzt nicht unbedingt notwendig oder zwingend. Also brauchen sie ihre „Gesundheitskarte“ nicht vorzeigen oder durchziehen lassen.
  5. Unterhalten Sie sich mit der Dentalhygienikerin. Sie werden viel Neues erfahren über die Zahnmedizin.
  6. Befolgen Sie die Ratschläge der Dentalhygienikerin möglichst genau.
  7. Machen Sie eventuell schon einen neuen Termin in ein paar Monaten (Recall oder UPT). Oder lassen Sie sich durch die Praxis erinnern!
  8. Fragen Sie eventuell nach der persönlichen e-mail oder geben Sie ihr Ihre, falls sie die Praxis wechselt.
  9. die von der Dentalhygienikerin erhobenen Daten z.B. Taschentiefen können an ihren eigenen Zahnarzt übermittelt werden.
  10. Hören Sie genau hin, was die Dentalhygienikerin rät: Das kann viel Geld und Leid ersparen.
  11. Hier in Berlin kostet eine Stunde Behandlung ca. € 130,-. Rabatt (?) bei mehrfachem Besuch.
  12. Sie können sich bei Auslandsbesuchen in Schweden, Dänemark, Norwegen oder Schweiz behandeln lassen.

 

Warum so ein Aufstand über eine Krankheit, die auf den ersten Blick nur die Zähne kostet?

Im Mund gibt es 706 verschiedene Bakterienarten5. Diese verdoppeln sich alle 20 Minuten. Diese Massen von Bakterien verlassen die Zahnfleischtaschen und werden über die Sekrete, das Blut und den Atem im Körper verteilt. So werden schwere und schwerste Erkrankungen des Menschen durch die zum großen Teil auch unbekannten Bakterien der Parodontitis mitverursacht:

Anämie (Balakesavan; 2013)

Frühere Sterblichkeit

Chronische Nierenkrankheit (CKD) (Salimi; 2010)

Krebs (Pankreas) (Michaud; 2007)  und

Brustkrebs bei Frauen in der Menopause) (Freudenheim; 2015)

Schlaganfall (Dörfer; 2004)(Faktor 2,8!)

Herz-Kreislauferkrankungen  (Faktor 2,0!)

Diabetes

Rheumatoide Arthritis (K.Albrecht; ZM; Heft 12/2015; Seite 26-28)

Frühgeburt

Unfruchtbarkeit des Mannes und der Frau

Pneumonien (Eickholz; 2012)

Infektionen an Endoprothesen (z.B. Hüfte und Knie)(Prof.Dr. B. Rischke)

Zahnimplantate (63% Periimplantitis) (Eickholz 2015)

<<Wenn das nicht Gründe genug sind, sich um seine Zähne anhaltend zu kümmern, dann weiß ich es auch nicht!!!!>>

So sollte die „systematische Therapie einer Parodontitis“ aussehen:

a. Prävention Vorbeugung oder Verhinderung einer Parodontitis bei einem gesunden Patienten

Zahnmedizinische Prophylaxehelferin (ZMP)

oder Zahnmedizinische Fachhelferin (ZMF)

b. Erstbehandlung einer vom Zahnarzt erkannten Parodontitis
      

               Zahnarzt

(eventuell mit Unterstützung einer Dentalhygienikerin

Dentalhygienikerin (DH)

c. Nachsorge (Recall oder UPT) eines an einer Parodontitis behandelten Patienten
 

Dentalhygienikerin (DH)

Die erfolgreiche Langzeit- Behandlung eines Patienten ist ohne die Dentalhygienikerin als Topspezialistin (fortgebildet, mit Diplom oder Bachelor) in einer modernen Praxis kaum möglich.

 

 

 

 

1 Die Parodontitis ist eine Infektion der Zähne und des Zahnhalteapparates durch Bakterien.

2 Recall ist mit dem Beruf der Dentalhygienikerin verbunden. Am Ende einer Behandlung durch eine Dentalhygienikerin macht man gleich einen neuen Termin. Oder die Praxis erinnert telefonisch oder schriftlich daran. Der Ausdruck „UPT“ meint „unterstützende Parodontitis Therapie“.

3 siehe V. Hönighaus; MBZ 06/2017; Seite 10 -13

4 Die Begriffe ZFA, ZMF, ZMP, DH und die Begriffe PZR (professionelle Zahnreinigung), Recall/UPT und Dentalhygiene usw. werden in Deutschland gerne weich/verwirrend gehandhabt. Fragen Sie!

5 Dewshirst; 2015;